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Durchbruch in der Diagnostik von Legasthenie

S3-Leitlinie schafft klare fächerübergreifende Standards zur Diagnostik und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/ oder Rechtschreibstörungen

Fünf bis sechs Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler haben ausgeprägte Schwierigkeiten beim Lesen und beim Schreiben von Wörtern und Texten, die sie erheblich in ihrer schulischen und psychosozialen Entwicklung beeinträchtigen. Die Störungsbilder werden in der medizinisch-psychologischen Fachwelt unterschieden, in Lese-, Rechtschreib- und Lese-Rechtschreibstörung, auch bekannt unter dem Namen Legasthenie. Seit über vierzig Jahren findet eine kontroverse Diskussion um die diagnostischen Methoden und Kriterien dieser schulischen Entwicklungsstörungen in den verschiedenen Fachdisziplinen statt. Ebenso besteht eine sehr große Unsicherheit, mit welchen Methoden die Kinder erfolgreich gefördert werden können.

Mit der S3-Leitlinie, die federführend von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP) koordiniert wurde, liegen nun erstmals klare fächerübergreifende Handlungsempfehlungen zur Diagnostik und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/ oder Rechtschreibstörungen vor. Die Leitlinie entstand auf Basis der Analyse der weltweit verfügbaren Forschungsliteratur und der Abstimmung mit den beteiligten Fachgesellschaften, Verbänden und Organisationen. Insgesamt haben 23 Gesellschaften, Verbände und Organisationen aus den Bereichen Pädagogik, Psychologie und der Medizin in einer fast dreijährigen Entwicklungsphase 29 Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung entwickelt. „Es ist ein bedeutsamer Durchbruch, dass es gelungen ist, fächerübergreifend diagnostische und therapeutische Standards festzulegen“, freut sich der Koordinator dieser Leitlinie, Professor Dr. Gerd Schulte-Körne von der LMU München. „Für unsere Kinder mit einer Legasthenie liegen nun endlich klare Empfehlungen vor, wie sie diagnostiziert und wirksam gefördert werden können“, betont Christine Sczygiel, Vorsitzende des Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.

Für diese Leitlinie, die auf den Homepages der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) und der DGKJP veröffentlicht wird, wurden über 200 Fachartikel und diagnostische Verfahren nach einer standardisierten Methodik ausgewertet. „Ein sehr aufwendiger, aber äußerst lohnenswerter Prozess, der es zulässt auf Grundlage der Evidenz die angemessenen, aber auch die nicht-empfehlenswerten Förder- und Diagnostikverfahren darzustellen“ hebt Dr. Katharina Galuschka hervor, verantwortlich für die Recherchen und Auswertungen.

Unter folgendem Link sind die Leitlinie und die Leitliniendokumente verfügbar.
http://www.kjp.med.uni-muenchen.de