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Zum Welt-Parkinson-Tag

Interview mit Prof. Dr. med. Helge Topka, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie in der München Klinik Bogenhausen.

Am 11. April 2019 machte der Welt-Parkinson-Tag auf die Parkinsonsche Erkrankung aufmerksam, die mit rund 220.000 Betroffenen in Deutschland zu den häufigsten Nervenerkrankungen zählt. Die Krankheit nimmt meist einen langsamen Verlauf, bei dem über viele Jahre nach und nach Gehirnzellen absterben. Die häufigsten Symptome sind verlangsamte Bewegungen, steife Muskeln und das typische Muskelzittern (Parkinson-Tremor). Bislang gilt Parkinson als nicht heilbar, allerdings gewinnt die Wissenschaft laufend neue Erkenntnisse über die Krankheit. Chefarzt Prof. Helge Topka und Oberarzt Dr. Olaf Eberhardt der Neurologie in Bogenhausen erklären die wichtigsten Entwicklungen des letzten Jahres, die Parkinson-Patienten neue Hoffnung schenken könnten.

Wie entwickelt sich die Zahl der Parkinson-Patienten?

Die Erkrankung könnte häufiger sein, als wir denken. Eine neue Schätzung der Parkinson-Erkrankten in Deutschland kommt zu deutlich höheren Ziffern als bisher gedacht. Damit könnte auch in Verbindung stehen, dass die Zahl der behandelten Patienten mit schwerer Parkinson-Erkrankung in deutschen Krankenhäusern seit 2010 um bis zu 85 Prozent zugenommen hat.

Was war ein wichtiges Forschungsergebnis des letzten Jahres?

Endlich konnte das Rätsel gelöst werden, ob das Standardmedikament der Parkinson-Behandlung, Levodopa, als Vorläufer des im Gehirn fehlenden Dopamins den Erkrankungsverlauf bremst oder sogar beschleunigt. Die Antwort war eindeutig: Die Behandlung schadete dem Gehirn während der Studie keineswegs, hielt den Erkrankungsverlauf aber auch nicht auf. Eine inhalierbare, also lungengängige Zubereitung von Levodopa wurde in den USA zugelassen und könnte auch bald schon in Europa zugänglich werden.

Welche neuen Forschungsansätze gibt es bei der Behandlung von Parkinson?

Viele Bemühungen zielen aktuell darauf, Eiweißablagerungen in Gehirnzellen mit möglicherweise schädlichen Wirkungen zu verhindern oder wieder aufzulösen. Ein weiterer, sehr aktiver Forschungsbereich ist die Klärung eines möglichen Transports solcher schädlichen Eiweiße von Zelle zu Zelle und damit von Gehirnregion zu Gehirnregion im Rahmen des Fortschreitens der Parkinson-Erkrankung. Uneinheitlich sind noch Beobachtungen, ob die Entfernung des Wurmfortsatzes im Darm das spätere Parkinson-Risiko mindert: Falls sich dies bestätigt, wäre dies ein weiterer Hinweis, dass die Parkinson-Erkrankung nicht im Gehirn, sondern im Darm beginnt, der ja Unmengen von Nervenzellen enthält. Die Beobachtung, dass einem kleinen Teil der Parkinson-Erkrankungen erbliche Veränderungen zugrundeliegen, könnte vielleicht auch dem Gros der Parkinson-Erkrankten helfen: Erste Studien testen nun Hemmer der überaktiven Eiweißstoffe auch bei Parkinson-Kranken ohne genetische Veränderungen. Offen ist noch, inwieweit Stammzell-Studien, die in Asien laufen, oder Impfstudien gegen schädliche Parkinson-Eiweiße eine Chance bieten, verlorengegangene Zellen im Gehirn zu ersetzen bzw. ihren Verlust zu verhindern.

Wie könnte die Parkinson-Krankheit entstanden sein?

Einige Forscher spekulieren in einer interessanten neuen Hypothese, dass die Parkinson-Erkrankung evolutionsbedingt ausgelöst worden sein könnte. Danach ist die Entwicklung des Großhirns in der Entwicklung des modernen Menschen so rasch vonstattengegangen, dass andere bewegungssteuernde Nervenzellknoten im Wachstum nicht Schritt halten konnten. Diese Nervenzellenknoten gelangen demgemäß im Lauf ihres sehr aktiven Lebens an ihre Leistungsgrenzen, bis hier Zellen nach und nach verloren gehen.

Ist Parkinson bald heilbar?

Das vergangene Forschungsjahr hat uns einer Heilung der Parkinson-Erkrankung noch nicht näherbringen können, lieferte aber wertvolle Erkenntnisse auf dem Weg zu einem besseren Krankheitsverständnis und einer wirksameren Therapie.

Umfassende und spezialisierte Parkinsonbehandlung in der München Klinik Bogenhausen

Mit der Komplexbehandlung werden die Patienten dabei unterstützt, den Alltag trotz der Erkrankung gut zu bewältigen und den Krankheitsverlauf zu verzögern. Die Dauer der stationären Komplexbehandlung erstreckt sich meist über zwei bis drei Wochen, in denen eine kompetente medizinische Betreuung mit rehabilitativen Maßnahmen verbunden wird. Die Neurologie Bogenhausen bietet individuell zusammengestellt Therapiestunden aus mindestens drei Bereichen an. Die Komplexbehandlung eignet sich für Parkinsonpatienten im mittleren bis späten Stadium ihrer Erkrankung einschließlich der atypischen Parkinsonformen (MSA/PSP). Zur Diagnostik stehen neben allen Methoden der modernen strukturellen Bildgebung auch nuklearmedizinische Bildgebungsverfahren zur Verfügung. Außerdem sind alle gängigen elektrodiagnostischen Verfahren einsetzbar. Bildgebung und Elektrodiagnose werden ergänzt durch z.B. autonome Funktionstests, neuropsychologische Testverfahren und Labor- bzw. Liquordiagnostik. Bei Bedarf können Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen differenziert diagnostiziert und behandelt werden.

Quelle: München-Klinik